Umgang mit Vorgesetzten

Eine Frage wird in meinen Seminaren in der letzten Zeit immer öfter gestellt, gerade vor einigen Tagen habe ich von einem begeisterten Leser meines Buches 1x1 der Kommunikation für Führungskräfte dazu eine E-Mail bekommen:

Herzlichen Gruß an Sie. Ich lese aktuell das Buch von Ihnen. Was soll ich sagen? Es ist einfach klasse. Eine der besten Investitionen in diesem Jahr.

Ich habe dazu eine Frage: Das Buch behandelt immer die Situation vom Vorgesetzten zum Mitarbeiter. Was mich interessiert, ist der umgekehrte Fall. Zum Beispiel: Wie verhält man sich als Mitarbeiter, wenn der Chef rumbrüllt, auf den Tisch schlägt und beleidigende Worte ausspricht? Hierzu fehlen mir Ausführungen in Ihrem Buch. Ich denke, dies wäre ein hilfreicher Ansatz. Mir würde es helfen, wenn Sie mir auf meine Frage antworten könnten.

Soweit die E-Mail, diese bringt es genau auf den Punkt. Deshalb möchte ich dazu Stellung nehmen.

Ich hoffe nicht, dass dies mit einer Verrohung der Führung einhergeht, sondern es nur Einzelfälle sind und hoffentlich auch bleiben. Es stimmt, im Buch fehlt dieser Aspekt komplett. Vielleicht für mich ein neuer Ansatz für ein weiteres Buch. Gerne fasse ich für Sie liebe Leser meine Gedanken dazu zusammen. Die Antworten haben mehrere Dimensionen. Ich gehe auf die wichtigsten ein.

Für uns ist es wichtig, sich klar zu machen, du kannst einen anderen Menschen nicht ändern, am wenigsten den eigenen Vorgesetzten. Was wir allerdings ändern können ist unser Verhalten. Es ist Ihnen sicher schon aufgefallen, dass auch ein cholerischer Chef nicht mit allen Mitarbeitern gleich aggressiv umgeht, sondern dass es hier auch wichtige Unterschiede gibt. Diese sind einerseits auf Sympathie und Antipathie zurückzuführen und andererseits auch darauf, dass Mitarbeiter mit eben diesem Chef unterschiedlich umgehen. Deshalb ist meine erste Empfehlung, schauen Sie sich genau diejenigen Kollegen an, mit welchen der Chef nicht derart umgeht sondern einen anderen Ton anschlägt, was machen diese anders im Umgang mit dem Chef. Dies gibt oft erste Anhaltspunkte für eine Änderung des eigenen Verhaltens dem Chef gegenüber. Es ist hier jedoch auch klar, alles muss zu uns passen. Es nutzt nichts ein Verhalten nachzuahmen, welches nicht zu uns passt. Wenn du eine Kopie bist, dann bist du niemals der Erste, sondern immer maximal der Zweite, denn eine Kopie ist immer schlechter als das Original. Ich gehe noch weiter und sage, dann machen wir uns lächerlich. Aus der Schule kennen wir noch das Perpetuum mobile. Dieses gibt es bekanntlich nicht.

Meine nächste Empfehlung ist, machen Sie sich klar wozu Ihr Chef gerade Sie hat. Jetzt kommt ein Punkt den viele Menschen leider im Verlaufe ihres Berufslebens nicht verstehen. Ihr Chef hat Sie nicht um Probleme zu machen, sondern Sie erraten es schon um Probleme zu lösen. Also machen Sie dem Chef keine Probleme sondern helfen Sie ihm diese zu lösen. Damit meine ich, gehen Sie nie mit einem Problem zu Ihrem Chef ohne Lösungsvorschlag. Sagen sie nie zu Ihrem Chef, das geht nicht. Gewöhnen Sie sich an zu sagen, Herr Chef das geht, wenn .. . Also setzen Sie eine Bedingung daran. Sie werden sehen über kurze Zeit ändert sich die Beziehung zum Vorgesetzten. Wenn Sie damit begonnen haben und schon ein wenig sicherer sind können Sie dazu übergehen Ihren Chef zu führen. Das klingt womöglich ein wenig abgehoben ist aber sehr realistisch. Was meine ich damit genau? Wenn es zukünftig ein Problem gibt, dann gehen Sie mit zwei Lösungsvorschlägen zu Ihrem Chef. Wenn Sie es geschickt machen, dann aktivieren Sie das Relativitätsprinzip seiner Psyche mit einem einfachen Kniff. Der erste Vorschlag den sie präsentieren ist ein Vorschlag der perfekten Art, der in der Regel aufwändiger ist und zu seiner Abwehr führen wird. Wenn das passiert, dann läuft es gut. Dann kommt Ihr zweiter Voraschlag, der ein wenig abgeschwächter ist, der einfacher umzusetzen ist und weniger Aufwand bedarf. Dann können sie ggf. noch fragen, was er denn meint zu diesen beiden Vorschlägen? Egal wie es jetzt weiter geht, Sie haben nun in jedem Fall die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der zweite Vorschlag in einem besseren Licht dasteht. Sie kennen das Relativitätsprinzip der Psyche aus dem zweiten Kapitel meines oben zitierten Buches.

Meine dritte Empfehlung geht direkt in Richtung Selbstmarketing. Angenommen Ihr Chef gibt Ihnen eine schwere, unübersichtliche und im Augenblick kaum durchführbare Aufgabe. Nun haben Sie zwei Möglichkeiten der Reaktion. Fall 1, Sie sagen oh das ist schwer, ich weiß nicht ob ich das schaffe und die Zeit fehlt sowieso dazu. Angenommen Sie präsentieren nach einiger Zeit eine Lösung, was glauben Sie denkt Ihr Chef jetzt über diese Lösung? Klar er wird diese im Lichte dessen sehen, was Sie zu ihm diesbezüglich gesagt haben. Fall 2, Sie sagen oh das ist interessant, ich gebe mein Bestes und bis selbst gespannt wohin uns diese Aufgabe führt. Nun präsentieren Sie auch nach einiger Zeit eine Lösung, was glauben Sie denkt Ihr Chef jetzt über diese Lösung? Auch jetzt wird er diese im Lichte dessen sehen, was Sie zu ihm gesagt haben. Sie sehen, bereits Ihre Reaktion bei der Aufgabenübernahme legt die Basis für die Akzeptanz des Ergebnisses.

Wenn all diese Gedanken nicht helfen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie den richtigen Chef haben und sich dann ggf. den Richtigen suchen. Für gute Leute ist der Markt derzeit günstig. Also wie auch immer: Sie müssen eine Entscheidung treffen. Entweder Sie geben für Ihren jetzigen Chef Ihr Bestes oder sie suchen sich einen Neuen. Bitte Vorsicht, manchmal sind wir auch Teil des Problems und diesen Teil nehmen wir überall hin mit.

In diesem Sinne wünsche ich alles Gute und hoffe, dass Sie sich bei Ihrem Chef nun besser verkaufen können.

Für den Fall, dass Sie sich bei der Umsetzung Hilfe holen wollen, stehe ich Ihnen als Safety Culture Coach® und Experte für Führungskommunikation in Ihrem Unternehmen oder in der Stefan Bartel Academy zur Verfügung.

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Ich freue mich auf Sie… bleiben Sie mir gewogen.
 
Es grüßt Sie alle herzlichst
 

Ihr Stefan Bartel