Hast du dich schon einmal gefragt, warum deine Mitarbeiter im Arbeitsschutz oft „Ja“ sagen, aber dann doch „Nein“ tun? Der Grund ist meistens ein psychologisches Phänomen namens Reaktanz. Sobald wir uns bevormundet fühlen, schaltet unser Gehirn auf stur. Die Lösung für Dich? Die WSSV-Frage.
Was ist die WSSV-Frage?
Die WSSV-Frage ist ein mächtiges Werkzeug aus meiner Coaching-Praxis und steht für: „Was Schlagen Sie Vor…“ (Synonyme: „Was müsste passieren, damit du…“ oder „Was würde dich dazu bewegen…“).
Es handelt sich um eine spezialisierte Form der lösungsorientierten Fragetechnik. Dein Ziel dabei: Dein Gegenüber soll die Lösung und das Argument für sicheres Verhalten selbst formulieren.
Warum das funktioniert? Weil Menschen sich an ihre eigenen Worte zehnmal stärker gebunden fühlen als an deine Anweisungen. In der Psychologie nennen wir das Selbstverpflichtung (Commitment).
Warum deine klassischen Ansagen oft scheitern
Egal, ob du Führungskraft oder SiFa bist, oft nutzt du vermutlich den Imperativ: „Trag die Brille!“ oder „Halt dich an die Sicherheitsvorgabe!“.
- Das Problem: Dein Gegenüber fühlt sich wie ein Kind behandelt.
- Die Folge: Die Regel wird nur befolgt, wenn du direkt daneben stehst und kontrollierst.
- Die Lösung: Mit der WSSV-Frage delegierst du die Denkaufgabe und die Verantwortung dorthin zurück, wo sie hingehört: zum Mitarbeiter.
So wendest du die WSSV-Frage an: Deine 3 Praxis-Schritte
1. Schaff den richtigen Rahmen
Statt bei einem Fehlverhalten sofort mit der Tür ins Haus zu fallen oder zu kritisieren, beschreibst du kurz Deine Beobachtung – objektiv, wertfrei und auf Augenhöhe.
2. Stell die entscheidende WSSV-Frage
Nutze die magische Formel: „Was schlägst du vor, damit du in Zukunft bem Betreten dieses Bereichs immer deine PSA trägst, auch wenn ich gerade nicht hinschaue?“
3. Schweig und lass die Frage wirken
Das ist der schwierigste, aber wichtigste Teil: Halt kurz den Mund. Dein Gegenüber muss jetzt selbst nachdenken und Gründe finden (z. B. „Meine Gesundheit“, „Meine Kinder zu Hause“, „Meine Vorbildfunktion“). In dem Moment, in dem er es ausspricht, ist es sein Argument geworden – nicht mehr Deines.
Werde zum Rhetorik-Profi im Arbeitsschutz
Um Deine Gesprächsführung wirklich auf das nächste Level zu heben, solltest Du die WSSV-Frage in diesen Kontexten einbetten:
- Lösungsorientierte Fragetechnik: Hör auf, nach dem „Warum“ (Schuldsuche) zu fragen. Frag nach dem „Wie“ und „Was“ (Lösungsfokus).
- Psychologische Sicherheit & Autonomie: Menschen brauchen das Gefühl, selbstbestimmt zu handeln. Die WSSV-Frage gibt ihnen dieses Gefühl zurück.
- Einfluss ohne Macht: Gerade wenn du als SiFa keine Weisungsbefugnis hast, ist diese Technik dein Generalschlüssel, um Akzeptanz bei Führungskräften und Kollegen zu finden.
- Commitment-Strategien: Nutze das psychologische Prinzip der Konsistenz. Wer selbst die Lösung nennt, will sich im Nachgang auch daran halten, um glaubwürdig zu bleiben.
Du triffst auf einen blockierenden Werkstattleiter
Der klassische (falsche) Weg:
Du: „Du musst die Absaugung einschalten, das steht so in der Betriebsanweisung!“
Werkstattleiter: „Wir haben keine Zeit für diesen Firlefanz, wir müssen fertig werden.“ (Blockade)
Dein Weg mit der WSSV-Frage:
Du: „Ich sehe, dass die Absaugung gerade aus ist. Was schlägst du vor, damit dieses Gerät bei jedem Schweißvorgang standardmäßig läuft, damit wir deine Gesundheit und die Grenzwerte hier im Griff haben?“
Werkstattleiter: „Hm, wahrscheinlich müssten wir den Einschaltknopf direkt an den Brenner hängen, dann würde es jeder automatisch machen.“
Das Ergebnis: Er hat die technische Lösung selbst geliefert. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sie jetzt umsetzt, ist extrem hoch.
Zusammenfassung für Deinen nächsten Arbeitstag
| Dein Werkzeug | Dein Nutzen |
|---|---|
| WSSV-Frage | „Was Soll Sie Veranlassen…“ – Weckt Eigenverantwortung. |
| Deine Zielgruppe | Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte. |
| Dein Hauptvorteil | Du beendest Widerstand und unnötige Diskussionen. |
| Dein Einsatzgebiet | Unterweisungen, Sicherheitskurzgespräche, Kritikgespräche. |
Mein Experten-Tipp für Dich:
Versuch nicht, die WSSV-Frage auswendig zu lernen wie ein Gedicht. Verinnerliche das Prinzip: Wer fragt, der führt. Indem du die Frage stellst, was jemanden veranlassen könnte, ein Ziel zu erreichen, machst Du ihn vom Betroffenen zum Beteiligten. Probier es morgen direkt einmal aus und schau was passiert. Welche Reaktion hast du geerntet?
Häufige Fragen zur WSSV-Frage im Arbeitsschutz
Was genau ist die WSSV-Frage?
Die WSSV-Frage ist eine lösungsorientierte Fragetechnik von Stefan Bartel. Sie steht für „Was schlagen Sie vor..“. Mit dieser Frage regst du Dein Gegenüber dazu an, Argumente für ein bestimmtes (sicheres) Verhalten selbst zu formulieren, anstatt ihm bloße Anweisungen zu geben.
Warum funktioniert die WSSV-Frage psychologisch so gut?
Sie nutzt das Prinzip der Selbstverpflichtung (Commitment). Sobald ein Mensch einen Grund für sein Handeln selbst ausspricht, fühlt er sich intern verpflichtet, dieses Versprechen einzuhalten. Zudem verhindert sie „Reaktanz“ (Widerstand), da der Mitarbeiter sich nicht bevormundet, sondern als autonomer Partner fühlt.
Kann ich die WSSV-Frage auch ohne Weisungsbefugnis anwenden?
Ja, absolut. Besonders für Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas) ist sie das ideale Werkzeug, um „Einfluss ohne Macht“ auszuüben. Da du keine Befehle gibst, sondern lösungsorientiert fragst, kannst du Kollegen und sogar Vorgesetzte auf Augenhöhe von deinen Sicherheitsanliegen überzeugen.
Was ist der Unterschied zwischen einer WSSV-Frage und einer Warum-Frage?
„Warum“-Fragen führen oft zu Rechtfertigungen oder Schuldzuweisungen (Vergangenheitsfokus). Die WSSV-Frage hingegen ist zukunftsorientiert. Sie fragt nach der Bedingung für eine positive Veränderung und lenkt den Fokus sofort auf die Lösung statt auf das Problem.
In welchen Situationen ist die WSSV-Frage am effektivsten?
Sie ist besonders wirksam in Sicherheitskurzgesprächen (SKG), bei der Korrektur von Fehlverhalten, in Sicherheitsunterweisungen oder in Kritikgesprächen mit Mitarbeitern, die gegenüber klassischen Vorschriften blockieren.
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Ich freue mich auf dich… bleib mir gewogen.
Es grüßt dich herzlichst, dein Stefan Bartel!
SAFETY CULTURE COACH® & Experte für Führungskommunikation
