Dunning-Kruger-Effekt: Warum sich Inkompetenz oft selbst überschätzt

17. Februar 2026.

Wir haben uns bereits mit der Bradley-Kurve beschäftigt, um Sicherheitskultur und Reifegrade von Organisationen besser einordnen zu können. Damit du jedoch dich selbst, deine Mitarbeiter und dein Unternehmen realistisch einschätzen kannst, solltest du einen psychologischen Effekt unbedingt kennen: den Dunning-Kruger-Effekt. Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt eine kognitive Verzerrung, bei der Menschen mit geringer Kompetenz ihre eigenen Fähigkeiten stark überschätzen – und gleichzeitig die Kompetenz anderer unterschätzen. Das Fatale daran: Sie erkennen ihre eigene Inkompetenz nicht. Wenn wir ehrlich sind, sind wir alle im Berufsleben schon mit genau solchen Situationen – und Menschen – konfrontiert worden.

Was ist der Dunning-Kruger-Effekt genau?

Der Dunning-Kruger-Effekt tritt auf, wenn Menschen:

  • ihre Fähigkeiten deutlich zu positiv einschätzen,
  • qualitativ bessere Leistungen anderer nicht erkennen,
  • und dadurch das Ausmaß der eigenen Inkompetenz nicht wahrnehmen.

Gemessen wird dieser Effekt häufig, indem man:

  • die Selbsteinschätzung einer Person
  • mit ihrer objektiv gemessenen Leistung vergleicht

Beispiel: Teilnehmenrabsolvieren ein Quiz und schätzen danach ihre Leistung ein. Menschen mit den schlechtesten Ergebnissen schätzen sich oft am besten ein.

Der Dunning-Kruger-Effekt hat zwei Seiten

Weniger bekannt, aber genauso wichtig: Der Dunning-Kruger-Effekt wirkt auch in die entgegengesetzte Richtung.

Leistungsstarke Menschen neigen dazu:

  • ihre Fähigkeiten zu unterschätzen,
  • ihre Kompetenz für „normal“ zu halten,
  • und zu glauben, dass andere genauso leistungsfähig sind.

Das führt dazu, dass:

  • Experten sich zurückhalten,
  • Kompetenz unsichtbar bleibt,
  • und Führung oft von den Lautesten statt von den Fähigsten übernommen wird.

Warum entsteht der Dunning-Kruger-Effekt?

Die Ursache liegt in der Metakognition – also der Fähigkeit, die eigene Leistung realistisch einzuschätzen.

Der Kernmechanismus: Wer wenig weiß, weiß oft nicht, wie wenig er weiß.

Menschen mit geringer Kompetenz:

  • können nicht zwischen guter und schlechter Leistung unterscheiden,
  • erkennen qualitative Unterschiede nicht,
  • und halten ihre eigenen Ergebnisse für überdurchschnittlich.

Kurz gesagt: Der Mangel an Kompetenz geht mit der Unwissenheit über diesen Mangel einher.

Warum ist der Dunning-Kruger-Effekt so problematisch?

In der Praxis kann der Dunning-Kruger-Effekt gravierende Folgen haben – für Einzelne und für Organisationen.

Typische Konsequenzen:

  • Übernahme von Aufgaben, denen man nicht gewachsen ist
  • Fehlentscheidungen in Führung und Fachfragen
  • falsche Rollen- oder Berufswahl
  • Gefährdung von sich selbst oder anderen
  • Ablehnung von Feedback und Weiterbildung

Besonders kritisch: Betroffene sehen keinen Grund, sich weiterzuentwickeln – weil sie sich bereits für kompetent halten.

Der Dunning-Kruger-Effekt im Arbeitsalltag

Im Unternehmensalltag zeigt sich der Dunning-Kruger-Effekt oft sehr deutlich:

  • Inkompetente Menschen sind überzeugt, die besten Lösungen zu haben
  • Sie verteidigen ihre Sichtweise auch gegen Fakten
  • Sie unterschätzen systematisch die Fähigkeiten anderer
  • Sie empfinden Weiterbildung als unnötig

Zusammengefasst bedeutet das:

  • Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
  • Unterschätzung der Kompetenz anderer
  • Keine Weiterentwicklung
  • Hohe Konflikt- und Fehlerrisiken

Warum Führung besonders betroffen ist

Der Dunning-Kruger-Effekt ist in Führungsrollen besonders gefährlich, weil:

  • Entscheidungen größere Auswirkungen haben
  • Selbstüberschätzung Macht verstärkt
  • Feedback häufiger gefiltert oder abgewehrt wird

In Verbindung mit Modellen wie der Bradley-Kurve kann es dazu führen, dass sich Personen oder ganze Bereiche deutlich reifer einschätzen, als sie tatsächlich sind.

Was hilft gegen den Dunning-Kruger-Effekt?

Der wichtigste Hebel lautet: Selbstreflexion. Der erste Schritt ist die Einsicht: Gesunder Menschenverstand reicht bei komplexen Themen nicht aus.

Oder wie Sokrates es formulierte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Konkrete Gegenmaßnahmen:

  • ehrliches Feedback ermöglichen
  • Fremd- und Selbsteinschätzung vergleichen
  • Lern- und Fehlerkultur etablieren
  • Führungskräfte in Reflexionsfähigkeit schulen
  • Kompetenz sichtbar machen – nicht Lautstärke

Der Dunning-Kruger-Effekt betrifft uns alle

Der Dunning-Kruger-Effekt ist kein Zeichen von Dummheit – sondern ein menschlicher Denkfehler, dem wir alle unterliegen können.

Die entscheidende Frage ist nicht: Bin ich betroffen? Sondern: Wie bewusst gehe ich damit um?

Deine Aufgabe als Führungskraft ist es:

  • den Effekt zu erkennen,
  • angemessen damit umzugehen,
  • und eine Kultur zu schaffen, in der Lernen wichtiger ist als Recht haben.

Denn nur so entstehen Entwicklung, Sicherheit und echte Reife – bei Menschen wie bei Organisationen.

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